Taubenkirmes Sössen

Taubenkirmes

Jedes Jahr im Mai veranstaltet der Taubenkirmesverein Sössen e. V. auf der Festwiese, gleich hinter dem 2008 eingeweihten neuen Gemeindezentrum Sössen, das traditionelle Heimatfest - die Taubenkirmes.

Seit der Gründung des Vereins wird die Taubenkirmes wie früher im größeren Rahmen gefeiert und gehört damit wieder zu den beliebtesten Volksfesten der Umgebung. Hier haben die Kirmesbesucher aus den Nachbarorten und Einheimische Gelegenheit miteinander ins Gespräch zu kommen, zu feiern, leckere Speisen und frisch gezapftes Bier zu genießen oder bei fröhlicher Musik zu tanzen.  

Die Taubenkirmes  wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen nach einem bewährtem Ablauf gefeiert und beginnt immer freitags mit einem Fackelumzug von Stößwitz über Sössen nach Gostau. In den letzten Jahren wurde dieser Tag immer mit einem weithin sichtbaren Höhnfeuerwerk beendet.
Das Samstagsprogramm steht ganz im Zeichen sportlicher Aktivitäten. Männer-, Frauen- und Kinderfussballmannschaften tragen an diesem Tag ein Fussballturnier um den Taubenkirmeswanderpokal aus. Wer möchte , kann am Kegelwettkampf teilnehmen - auch hier warten schöne Preise auf die Sieger. Für  die jüngeren Kirmesbesucher stehen auf der Festwiese eine Hüpfburg, ein Trampolin, eine Kistenrutsche, eine Tischtennisplatte und ein Volleyballfeld kostenlos zur Verfügung. Während sich die Kinder draußen beschäftigen, erwartet die Besucher im Festzelt ein buntes Unterhaltungsprogramm.
Der Abend klingt dann gewöhnlich mit dem Kirmesball aus.
Der Sonntag beginnt mit einem musikalischem Frühschoppen und einem Skatturnier im Saal des Gemeindehauses. Hier können die Skatfreunde ungestört ihren Trumpf ausspielen. Ergänzt wird das Vormittagsangebot durch jählich wechselnde Ausstellungen (Oldtimer, Traktoren, historische Landwirtschaftsgeräte und - maschinen) auf dem Platz vor dem Bauhof. Am Nachmittag lockt ein buntes Unterhaltungsprogramm - mitunter auch mit Stargast - Kirmesbesucher aus nah und fern nach Gostau.

ZUR GESCHICHTE:

Die Kirmes ist ein Volksfest, dass ursprünglich als religiöses (katholisches) Fest anlässlich der Kirchweihe eines christlichen Gebäudes gefeiert wurde. Bei der Weihe wurde bzw. wird eine Kirche ihrer Bestimmung als Versammlungsort der christlichen Gemeinde übergeben. Wegen ihrer Verbreitung hat ein Kirchweihfest in jeder Region ihre eigene Bezeichnung (z.B. Kerb, Kerwa, Kilb, Kermes, Kermis) und ihre eigenen Rituale. So begeht man nach alter Überlieferung in den Orten Pobles, Sössen, Stößwitz und Gostau, immer an dem Sonntag, der dem Namenstag der heiligen Katharina (29. April) folgt, die traditionelle "Taubenkirmes". Eine Kirmes im zeitigen Frühjahr zu veranstalten, ist für den mitteldeutschen Raum ungewöhnlich, kommt  aber wahrscheinlich von dem Brauch, die Kirmes eine Woche vor oder nach dem  Namenstag bzw. Todestag des Schutzpatrons der jewiligen Kirche zu feiern. Da die Dörfer Sössen, Stößwitz und Gostau nie eine eigene Kirche besaßen, wurden sie von der damaligen Obrigkeit der Kirche in Pobles zugeordnet. Alle vier Dörfer bildeten nun die Parochie Pobles und hatten gemeinsam für den Unterhalt der Kirche und des Pfarrers zu sorgen. In Pobles steht seit fast tausend Jahren ein Gotteshaus - zuerst als Kapelle und um 1300 als Kirche. Die Kirche führt seit dieser Zeit den Namen "Sankt Gangolf".  Eine erhaltene Urkunde aus dem Jahre 1326 benennt der Märtyrer "Gangolf" als Schutzpatron dieser Kirche.  Als Todestag Gangolfs gilt der 11. Mai 760. Eine Woche davor feiert man die Taubenkirmes.

Woher der Name "Taubenkirmes" stammt, ist nicht überliefert. Es wird angenommen, dass während der vielen Kriege, die in unserer Gegend geführt wurden, die Soldaten das Vieh der Einwohner für das Heer konfizierten und nur die Tauben als Kirmesbraten übrig blieben. Wahrscheinlich haben sich in der Zeit vor der Reformation Luthers die Kirmes und das Ablassfest (Tetzel verkaufte gegen klingende Münze Sündenerlässe für das Seelenheil) vermischt. Darüber schrieb der Magister Adam Siegmund Bürger bereits 1761 in einer Handschrift über das Amt Lützen: 

 "...schlüßlich ist nicht zu vergessen, daß zu Döhlitz, Muschwitz, Großgöhren, Pobles und anderen Orten mehr, alljährlich des Montags nach dem 2 Sonntag Post Trinitatis der sogenannte Ablaß/: an manchen Orten heißt es auch der reiche Mann:/ gefeyert wird, so man vulgo auch die Taubenkirmeß zu nennen pfleget. Daß aber die Gewohnheit von Johann Tetzels Zeiten (1465 - 1519) her seinen Ursprung hat, hält auch der Chronist Vulpius für gewiß"...

Während der Reformation wurden die Ablassfeste verboten und der kirchliche Inhalt der Kirmes trat in den Hintergrund. Im Laufe der Jahre entwickelte sie sich immer mehr zu einem Volksfest mit Fahrgeschäften und sonstigen Vergnügungen.

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