Vortrag und Buchvorstellung

Lena Rebekka Rehberger: Karl Friedrich Schinkels gusseiserne Denk- und Grabmale

Zum herausragenden Œuvre des preußischen Architekten und Künstlers Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) gehört eine Anzahl von Entwurfszeichnungen, die Denkmale oder Grabmonumente zeigen. Die meisten dieser Entwürfe, von denen später viele zur Ausführung gelangten, lassen sich zeitlich seiner Hauptschaffensphase zurechnen, die mit seiner Tätigkeit an der Technischen Oberbaudeputation Berlin von 1810 bis 1840 zusammenfällt. Einen wichtigen Teil bilden dabei Monumente aus Gusseisen, die er individuell für wohlhabende Auftraggeber aus der Oberschicht Preußens oder den preußischen König Friedrich Wilhelm III. gestaltete. Diese Monumente wurden in der Königlichen Eisengießerei zu Berlin hergestellt und zeichnen sich durch eine neuartige und einmalige Transformation von antiken oder historischen Formen und Motiven in das Material Gusseisen aus.
Durch den technischen Fortschritt um 1800, der tiefgreifende Veränderungen in der Eisenverhüttung, im Gießereiwesen und in der Formtechnik zur Folge hatte, waren die Grundlagen geschaffen worden, um sowohl monumentale als auch filigrane gusseiserne Kunstgussobjekte zu realisieren. Zudem hatte das Gusseisen im Kontext der Befreiungskriege gegen Napoleon (1813-1815) in Preußen eine neue patriotische Konnotation erhalten.
Einige der von Schinkel individuell für die einzelnen Verstorbenen gestalteten gusseisernen Denk- oder Grabmale wurden in der Folge mehrfach produziert und mit leichten Abänderungen auf die jeweiligen Kunden zugeschnitten.
Im Vortrag werden einige Denkmale, darunter die von Schinkel entworfenen und in Lützen (Denkmal für den König Gustav II. Adolf von Schweden ) sowie in Großgörschen (Denkmal für den Prinzen Leopold Victor Friedrich von Hessen-Homburg, Denkmal für die Gefallenen der Schlacht bei Großgörschen) aufgestellten Monumente, und einige Grabmale genauer analysiert. Zudem wird aufgezeigt, dass Schinkel eine Vorreiterrolle zukommt, kann doch die vielfache Herstellung von individualisierten Güssen nach seinen Entwürfen als Vorwegnahme der seriellen Grabmalproduktion der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesehen werden.
Lena Rebekka Rehberger, Jahrgang 1980, studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Philosophie an der Freien Universität Berlin und promovierte anschließend an der Humboldt-Universität zu Berlin über die Grabmalkunst Karl Friedrich Schinkels (1781-1841). Die Kunsthistorikerin lebt und arbeitet in Berlin und Leipzig.


Termin

Freitag, 21.04.2017

19:00 Uhr

Veranstaltungsort
Vortrag und Buchvorstellung
06686 Lützen  - OT Stadt Lützen
Schlossstr. 4
Email: museum@stadt-luetzen.de
Kategorien: Bildung, Vorträge und Diskussionen